Samstag, 25. Mai 2013

Freedom

Er zieht mich an sich. Fängt an mich zu küssen, lange und innig. Bis er mich von sich stößt. "Das geht nicht, Zora. Das geht einfach nicht." Ich stehe auf, fange an zu weinen. Wir umarmen uns. So lange bis er eine Erektion bekommt. Das ist so lächerlich, dass ich kurz aufhöre zu weinen.
Ich stehe auf, er reicht mir meine Sachen, will mich nicht einmal zum Zug bringen. Ich mache das Lied Freedom aus dem Django Film an und ziehe mir Antons Jacke über. Karl versucht ein letztes Mal mich an sich zu ziehen. Ich lächle, blicke ihn mit großen, traurigen Augen an und knalle ihm eine, dass es nur so rauscht. "Fick dich doch, Matschgesicht!" ist das Letzte, das er von mir zu hören bekommt.
Als ich nachhause komme, ist das erste das ich vorfinde eine neue Nachricht in meinem Facebook Messenger. Die natürlich von Charlie ist.
"Ja klar bin ich gut nachhause gekommen, Charlie. War nur eben mit einer Freundin unterwegs."
Das wiederum wirft die Frage auf, wann mir endlich mal die Typen ausgehen.



Dienstag, 21. Mai 2013

Eiseskälte

Da stehst du. Am Gleis. Du bist der, den ich will, aber das sage ich nicht. Mir fällt auf wie wunderschön du bist. Ich bewege mich auf dich zu, wacklig wie ich bin, weil ich seit drei Tagen kaum etwas gegessen habe. Seit du weg bist. Ich falle dir um den Hals, frage wohin du unterwegs bist, obwohl ich es wissen sollte. Zu dir. Genau wie ich, aber das sage ich ebenfalls nicht. Ich will mit zu dir. Wir steigen in den Zug. Es regnet in Strömen, als wir ankommen. Du verkriechst dich in deiner Jacke. Da ist eine Bank. Sie ist nass und kalt, aber das ist egal.
"Zora, das mit uns beiden funktioniert nicht. Mae und die anderen wollen es einfach nicht."
"Ich vermiss dich aber."
"Ich dich auch, Zora. Aber es geht nicht." Ich blicke ihn mit großen Augen an. So wie Anton mich anblickte, als er von uns erfuhr.
"Ich sollte dich jetzt lieber zum Zug bringen."
"Ich will bei dir bleiben. Kitschige Dinge sagen und dann in deinen Armen einschlafen und glücklich sein. Ich will nur dich." Und dann fällt mir auf, dass es stimmt. Ich empfinde tatsächlich Liebe für diesen Menschen. Diesen einen Menschen. Den ich nicht haben darf.
Er bringt mich zum Zug. Seine Jogginghose schlackert um seine dünnen Beine. Wir umarmen uns. Ich stelle mich auf die Zehenspitzen und vergrabe meinen Kopf an seinem Hals.
Er dreht sich um und geht die Straße runter.
"Geh nicht fort. Bitte bleib hier. Bitte bleib bei mir, Karl."
Doch das hört er schon nicht mehr.

Frittenbude- Die Nacht