Da stehst du. Am Gleis. Du bist der, den ich will, aber das sage ich nicht. Mir fällt auf wie wunderschön du bist. Ich bewege mich auf dich zu, wacklig wie ich bin, weil ich seit drei Tagen kaum etwas gegessen habe. Seit du weg bist. Ich falle dir um den Hals, frage wohin du unterwegs bist, obwohl ich es wissen sollte. Zu dir. Genau wie ich, aber das sage ich ebenfalls nicht. Ich will mit zu dir. Wir steigen in den Zug. Es regnet in Strömen, als wir ankommen. Du verkriechst dich in deiner Jacke. Da ist eine Bank. Sie ist nass und kalt, aber das ist egal.
"Zora, das mit uns beiden funktioniert nicht. Mae und die anderen wollen es einfach nicht."
"Ich vermiss dich aber."
"Ich dich auch, Zora. Aber es geht nicht." Ich blicke ihn mit großen Augen an. So wie Anton mich anblickte, als er von uns erfuhr.
"Ich sollte dich jetzt lieber zum Zug bringen."
"Ich will bei dir bleiben. Kitschige Dinge sagen und dann in deinen Armen einschlafen und glücklich sein. Ich will nur dich." Und dann fällt mir auf, dass es stimmt. Ich empfinde tatsächlich Liebe für diesen Menschen. Diesen einen Menschen. Den ich nicht haben darf.
Er bringt mich zum Zug. Seine Jogginghose schlackert um seine dünnen Beine. Wir umarmen uns. Ich stelle mich auf die Zehenspitzen und vergrabe meinen Kopf an seinem Hals.
Er dreht sich um und geht die Straße runter.
"Geh nicht fort. Bitte bleib hier. Bitte bleib bei mir, Karl."
Doch das hört er schon nicht mehr.
Frittenbude- Die Nacht
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen